Am Samstag, den 06.02.2021, fand in Reutlingen auf dem Marktplatz der wöchentliche „Lichterspaziergang“ der Initiative „Eltern stehen auf“ statt. Wir, die Gruppe „ROSA – Reutlingen for Organisation, Solidarity and Actions“ und das autonome Zentrum Kulturschock Zelle, riefen zum Protest gegen den „Lichterspaziergang“ auf. Der von uns organisierte Gegenprotest wurde mit dem Verteilen von Flugblättern, Sprechchören und Transparenten untermauert.

Ein Unbekannter lief ohne Maske durch unsere Versammlung. Als eine Teilnehmerin ihn auf die geltende Maskenpflicht hinwies, reagierte er aggressiv. Sexistische Beleidigungen sowie die direkte Androhung von Gewalt gegen sie wurden unmittelbar vor Polizeibeamten getätigt. Diese reagierten lediglich mit der Bitte an den Mann, weiterzugehen. Die Polizei verstößt damit gegen das Legalitätsprinzip, Straftaten zu verfolgen. Er reihte sich daraufhin in die Kundgebung des „Lichterspaziergangs“ ein. Die Jacke des Mannes zeigte das Logo „BS11“ [BlockSport], sowie den Schriftzug „Reutlingen“. Es handelt sich dabei um eine rechtsoffene Hooligangruppe aus Reutlingen.

Ein Stadtbekannter Neonazi (ca. 30 Jahre alt) war ebenfalls Teilnehmer des „Lichterspaziergangs“. Dies schien weder die Organisation noch andere Teilnehmende zu stören. Dass Nazis fester Bestandteil der Bewegung „Querdenken“ sind [wovon „Eltern stehen auf“ ein Ableger ist], wird regelmäßig in Redebeiträgen abgestritten. Es zeigt sich aber, dass es auch in Reutlingen bei einem Lippenbekenntnis bleibt.

Als die Pandemieleugner_innen in Richtung Hauptbahnhof gelaufen sind, verweilte unsere Gegenversammlung noch auf dem Marktplatz, um deren Demonstrationszug noch einmal entschlossen entgegenzuwirken. Beide Nazis konnten – einer von ihnen sogar mit dem Logo der erwähnten, rechtsoffenen Gruppierung „BS11“ – auch beim Demonstrationszug ohne Probleme mitlaufen. Als der Demonstrationszug der Pandemieleugner_innen am Marktplatz vorbeiführte, zeigte der stadtbekannte Nazi, in unsere Richtung den Hitlergruß. Weder die Polizei noch die Organisator_innen schritten ein. Im Gegenteil: die Polizei drängte unseren Protest zurück und filmte jede_n unserer Teilnehmer_innen ab. Nachdem die Proteste unsererseits aufgelöst waren, verfolgten mehrere Bereitschaftspolizist_innen einzelne Teilnehmer_innen unseres Gegenprotestes, verhaftet wurde allerdings niemand.

Im Telegram-Chat der Pandemieleugner_innen relativiert Michelle, eine der beiden Organisator_innen, die Aktion damit, dass der Hitlergruß nur ein Peace-Zeichen gewesen sei (siehe Screenshot, siehe öffentliche Telegram-Gruppe „Freiheitsboten Reutlingen“). Andere bewerten die Aktion satirisch („Heil Corona“) oder als Methode zur „Abstandswahrung“.

Das zeigt mal wieder: Antifaschistischer Protest bleibt notwendig, auch gegen Gruppierungen und Initiativen, die sich auf die Fahne schreiben, für „Frieden, Freiheit und Demokratie“ einzustehen.

Wir bleiben laut gegen rechtsoffene Schwurbler_innen, in Reutlingen und überall!

Kein Schulterschluss mit Nazis!