Videoüberwachung in Reutlingen?!

Der baden-württembergische Landtag hat vor etwas mehr als einer Woche beschlossen, den Kommunen den Einsatz von Überwachungskameras im öffentlichen Raum zu erleichtern. Die Stadt Reutlingen wird, gemeinsam mit dem Polizeipräsidium Reutlingen, in Zuge dessen Videoüberwachung am Hauptbahnhof und am Listplatz einführen.
Hier sind Gründe, warum das mehr als problematisch ist:

Eine dauerhafte Videoüberwachung im öffentlichen Raum ist kein geeignetes Mittel, um gesellschaftliche Probleme nachhaltig zu lösen. Sie bekämpft nicht die Ursachen von Konflikten, Armut, Sucht oder Gewalt, sondern verlagert sie lediglich. Menschen, die Unterstützung und niedrigschwellige Hilfsangebote bräuchten, werden aus überwachten Bereichen verdrängt, ohne dass sich ihre Situation dadurch verbessert.

Statt wirksamer Hilfe entsteht so vor allem ein Ortswechsel: Die Betroffenen ziehen sich in weniger sichtbare Bereiche zurück, wo sie für Streetworker, Sozialdienste oder präventive Angebote schwerer erreichbar sind. Die Probleme verschwinden also nicht, sondern verteilen sich nur über andere Teile der Stadt. Eine langfristige Verbesserung kann so kaum erreicht werden. Im Gegenteil, fehlende Unterstützung kann dazu führen, dass sich schwierige Lebenslagen weiter verschärfen.

Kameras können dazu in akuten Situationen nicht eingreifen und viele Gewalttaten geschehen im Affekt – ausgelöst durch Wut oder unter Drogeneinfluss. In solchen Momenten schreckt eine Überwachung kaum ab. Kameras sind daher eher ein billiger Ersatz für Streetworker, die eben den Ursachen von Gewalt präventiv entgegenwirken können.

Nachhaltige Lösungen erfordern vor Allem soziale Maßnahmen, persönliche Gespräche und echte Unterstützung vor Ort. Technische Überwachung verschiebt einfach nur das Problem.
Wir sind gegen Videoüberwachung an öffentlichen Orten in Reutlingen und sonstwo!
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