Inhalte / Angebot

Der Verein Kulturschock Zelle e.V. wird auf ehrenamtlicher Basis von jungen Menschen organisiert, die Demokratie aktiv mitgestalten und die Gesellschaft in Richtung soziale Gerechtigkeit weiter entwickeln wollen.

Er versteht sich als selbstverwaltetes Jugendzentrum und Jugendforum, in dem Heranwachsende und junge Erwachsene einen Raum und die Möglichkeit haben, sich in Arbeitskreisen zu ihnen relevanten sozialen, ökologischen oder politischen Themen zusammenzuschliessen, sowie eigenständig die Veranstaltungen und den Betrieb der Zelle zu organisieren.

Darüber hinaus bietet der Verein auch ein Bildungsangebot nach Außen und für Nicht-Mitglieder. Die Vorträge und Workshops behandeln regelmäßig aktuelle und / oder kontrovers diskutierte gesellschaftliche Themen in einem kostenlosen und offenen Rahmen. Dabei werden stets aktive Expert_innen als Referent_innen eingeladen, um eine angemessene inhaltliche Qualität zu gewährleisten.

Das Spektrum der von den Vereinsmitgliedern selbständig erarbeiteten Veranstaltungen erstreckt sich von Informationsvorträgen und -workshops, sowie Seminaren im Bildungsbereich, über Lese- und Diskussionskreise, sowie Theaterveranstaltungen im kulturellen Bereich, hin zu Livekonzerten, Musikfestivals und Partyveranstaltungen im Freizeitprogramm und darüber hinaus.

Dies alles geschieht im Rahmen einer basisdemokratischen Struktur, im Konsensprinzip und in einem hierarchiefreiem Raum.

Unsere Ziele

Zusammengefasst orientiert sich die Vereinsarbeit an folgenden pädagogischen Prinzipien:

  • individuelles und soziales Lernen in Prozessen
  • ganzheitliches Lernen und Lernen auf der Grundlage unmittelbarer Erfahrungen und Erlebnisse
  • Reflexion des eigenen Handelns in der Gruppe
  • interkulturelles Lernen und das Fördern eines positiven Umgangs mit Differenz
  • Mitbestimmung der Beteiligten
  • ein gleichberechtigter und emanzipatorischer Umgang miteinander
  • geschlechtergerechte Didaktik und Gender Mainstreaming als Leitgedanke

Kennzeichnendstes Merkmal und elementarster pädagogischer Leitgedanke des Vereins ist der emanzipatorische Grundsatz der Entwicklung der Teilnehmenden hin zu mündigen und  handlungsfähigen Menschen. Die Heranwachsenden sollen zu Selbstbestimmung befähigt, zu Verantwortungsübernahme und sozialem Engagement angeregt werden. Dies wird angestrebt durch die Förderung von Partizipation, von sozialem und interkulturellem Lernen.

Der Verein fördert ein humanistisches Weltbild und einen positiven Umgang mit Differenz und Vielfältigkeit. Dazu gehört Inklusion, die Einbeziehung von Menschen mit Behinderungen. Ebenso wichtige Leitgedanken sind interkulturelle Verständigung, ökologisches Handeln und die soziale Gleichberechtigung innerhalb der Gesellschaft.  Auch verpflichtet sich der Kulturschock Zelle e.V. dem Prinzip des Gender Mainstreaming und setzt es in seiner Organisation und seinen Aktivitäten um.

Hauptsächliche Adressaten des Angebots sind Heranwachsende und junge Erwachsene. Da der Kulturschock Zelle e.V. jedoch für alle einen Raum bieten soll, in dem sie sich frei bewegen können, behält sich der Verein vor von seinem Hausrecht Gebrauch zu machen und Hausverbote auszusprechen, falls eben dieser Freiraum zur individuellen Entfaltung durch einem humanistischen Weltbild entgegenstehende Ansichten eingeschränkt wird.

Des Weiteren versteht sich der Verein als politisch unabhängig. Jedoch stellt der Kulturschock Zelle e.V. im Rahmen seines emanzipatorischen Leitziels ein großes Augenmerk auf die Förderung der Herausbildung eines eigenen, kritischen politischen Bewusstseins bei Heranwachsenden. Dabei soll neben der Bewusstwerdung der Notwendigkeit der Teilnahme am demokratischen politischen Prozess und der damit einhergehenden aktiven Mitgestaltung unserer Gesellschaft, auch eine durchaus kritische und aufmerksame Haltung gegenüber Autoritäten, eine Entwicklung zum mündigen Bürger_in fördern.

Die Teilnehmer_innen sollen darin gefördert werden, Einsicht in gesellschaftliche Zusammenhänge zu gewinnen und solidarisches Handeln einzuüben, sowie das Verständnis und Interesse für politische Zusammenhänge zu vertiefen. Insbesondere sollen gesellschaftliche und politische Rahmenbedingungen und Hintergründe erkannt, Normen und Werte kritisch hinterfragt werden.

Wir versetzen sie in die Lage, sowohl die politische Situation als auch ihre eigene Situation und Interessenlage zu analysieren, sowie nach Mitteln und Wegen zu suchen die Situation in ihrem Sinne zu beeinflussen. Sie werden entdecken, dass es dafür Verbündete und die richtigen Zugänge braucht, um Interessen einzubringen bzw. durchsetzen zu können. Gleichzeitig wird ihnen das Gefühl der Onmacht und des Ausgeliefertseins genommen.

Wir machen Vielfalt sichtbar und erfahrbar und geben den Teilnehmenden die Möglichkeit sie als positiv und bereichernd zu erkennen. Hauptmerkmal sind die Fähigkeit zur Empathie, die bereichernde Annahme anderer Fähigkeiten und Talente und die Betrachtung der eigenen Werte im Kontext anderer Kulturen und Gruppen.

Die Jugendlichen sollen lernen, mit Wahrnehmungen umzugehen. Dies umfasst die Fähigkeit zu erkennen, wie und warum Wahrnehmungen unterschiedlich sind und zu erkennen, dass es verschiedene „Wahrheiten“ gibt. Dazu gehört unterschiedliche Wirklichkeiten zu akzeptieren und sich immer wieder das eigene Nichtwissen und Nichtverstehen bewusst zu machen, sich auf Sichtweisen anderer einzulassen, andere Standpunkte und Vorgehensweisen nicht abzuwerten sondern sogar Vorteile darin zu sehen.

Wir schaffen eine Umgebung und Situationen, die positives Verhalten der Heranwachsenden  begünstigt. Sie sollen lernen einfühlsam mit sich und anderen zu sein, auch gegenüber gesellschaftlichen Außenseitern. Sie sollen neugierig werden auf andere Sichtweisen und sensibel werden für das, was mit der eigenen Reaktion bei anderen ausgelöst werden kann. Feedback zu geben und anzunehmen gehört genauso dazu, wie eine eigene, abweichende Meinung konstruktiv zu vertreten.

Wir möchten, dass sie ein Bewusstsein für die eigenen Stärken und Schwächen entwickeln und dadurch ein gutes Selbstwertgefühl bekommen. Dies ist eine wichtige Grundvoraussetzung, um eigene kulturelle Normen und Werte zu hinterfragen und die Bereitschaft zu entwickeln, an alten Überzeugungen loszulassen, ständig neu zu lernen sowie Fremdes zu erkunden.

Dazu sollen die Teilnehmer_innen die Fähigkeit entwickeln, Unterschiedlichkeiten aushalten zu können und nicht abzuwerten, offen zu bleiben, Ungeklärtes auch mal stehen zu lassen und Widersprüche zu dulden. Wenn eigene Fehler wie auch die der anderen toleriert werden können, kommt man in die Lage, Unterschiede fruchtbar zu nutzen.

Schließlich möchten wir das faire Miteinander von Geschlechtern erreichen. Das heißt, die Teilnehmenden sollen sich der eigenen Biografie und Sozialisation als junge Frau, als junger Mann bewusst werden, unterschiedliche Sichtweisen über die eigene Position und die der anderen wahrnehmen lernen, Interaktion zwischen Geschlechtern erleben und in ihrer Bedeutung für das eigene Selbstverständnis bewerten. Dazu wollen wir Handlungsmöglichkeiten für eine gerechtere und vielfältigere Gestaltung der Geschlechterverhältnisse eröffnen.

Methoden

Zur Erreichung der Ziele nutzen wir kreative Methoden, die eigene Aktivitäten zulassen, mit denen Kompetenzen und Erfahrungen vermittelt werden können und die zu politischem Handeln befähigen.

Sie sollen die Bereitschaft zur eigenen Reflexion und Stellungnahme fördern, sowie zur Übernahme von Eigenverantwortung und politischem Handeln motivieren. Die Beteiligten sollen sich mit einem Thema so auseinandersetzen, dass sie zu neuen Einsichten und Kompetenzen gelangen können. Spaß und Lust im gemeinsamen Entdecken und Erleben und die Reflexion stehen dabei im Vordergrund. Methodenvielfalt berücksichtigt unterschiedliche Lernarten und beugt Konzentrationsschwächen vor. Jeder trägt Verantwortung für das Geschehen. Lernformen, die Selbständigkeit und Eigenarbeit fördern, haben Vorrang vor Formen des Belehrens. Eine der wichtigsten Methoden ist für uns dabei die Selbstorganisation.

Die Zelle wird von jungen Menschen für junge Menschen gemacht. Sie sind am Prozess beteiligt, planen zielgerichtet, die Mitbestimmung ist real und effektiv, die gemeinsam getroffenen Entscheidungen werden zeitnah umgesetzt.

Dies setzt die Beschäftigung mit und gegenseitige Einarbeitung in so verschiedene Themenbereiche wie die Organisation von Konzerten, Instandhaltung des Gebäudes, Buchhaltung, Drogenprävention, Pressearbeit, Licht- und Tontechnik, respektvoller und möglichst diskriminierungsarmer Umgang miteinander und basisdemokratische Entscheidungsstrukturen voraus. Auch wenn selbstverständlich jedes Mitglied die Schwerpunkte seiner Beteiligung selbst setzt, werden alle Interessierten, die kontinuierlich in der Zelle aktiv und Mitwirkende werden wollen, durch eine intensive Einarbeitungsphase mit den technischen, organisatorischen und basisdemokratischen Grundlagen und Rahmenbedingungen des Vereins und seiner Arbeit vertraut gemacht. Selbstverantwortung und Selbstbestimmung sind zentrale Merkmale der Mitwirkung.

Selbstorganisation gelingt nicht automatisch, sondern nur dann, wenn sie gewollt, verabredet und verstanden wird. Das bedeutet, die Gruppe muss sich zu Beginn auf das Prinzip der Selbstorganisation einigen und festlegen, welche Bereiche es umfasst und wie sie damit umgehen werden. Dies ist umso wichtiger, da die meisten Mitwirkenden aus nicht-selbstorganisierten Gesellschaftsstrukturen wie Schule, Universität oder Arbeitsplatz kommen. Daher ist der Umgang mit solchen Rechten und Freiräumen oft ungewohnt. Der notwendige Zusammenhang von: Problem wahrnehmen, überdenken, in der Gruppe beraten und das gemeinsame Handeln, wird in den meisten Institutionen unserer Gesellschaft nicht vermittelt. Wir alle sind es oft gewohnt, eine Aufgabe gestellt zu bekommen, die wir allenfalls noch selbständig lösen dürfen. Fehlt diese Direktive von oben, bricht die Handlungsbereitschaft oft zusammen und es bleibt der falsche Satz stehen: Ohne Druck, ohne Chef, geht es nicht.

Selbstorganisation muss erfahren werden. Es muss verstanden und geübt werden, mit den Freiheiten und den damit verbundenen Aufgaben umzugehen.

Hier gibt es keine Chefs und keine Vorgesetzten, stattdessen lernen alle von einander und entscheiden selbst, was sie wie in der Zelle machen wollen und welche Veranstaltungen in der Zelle stattfinden. Die zentrale Plattform, auf der alle Fragen rund um die Aktivitäten diskutiert und alle Entscheidungen getroffen werden, ist die wöchentliche Mitarbeiter_innenversammlung (MV). Hier können junge Menschen lernen zu diskutieren, sich mit den Positionen anderer sachlich und respektvoll auseinanderzusetzen und gemeinschaftlich Entscheidungen zu treffen. Denn alle Beschlüsse der MV werden nach dem Konsensprinzip gefällt, das bedeutet, dass alle Mitglieder, mit der Entscheidung zumindest leben können müssen. Dieser Grundsatz, der bewirkt, dass die Meinung jedes Einzelnen hier etwas gilt und niemand in der Zelle die Erfahrung machen muss nicht gehört und übergangen zu werden, führt zu der positiven Erfahrung mit aktiver Beteiligung etwas bewirken zu können.

Abgesegnet auf der Mitarbeiter_innen Versammlung vom 01.04.2014